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Neue deutsche Kardinäle

Dienstag, Januar 17th, 2012

Berichterstattung 2010 und 2012 – ein Vergleich

17. Januar 2012

Kardinäle sind die höchsten kirchlichen Würdenträger nach dem Papst: Sie wählen ihn und unterstützen ihn maßgeblich in seiner Leitungsfunktion als Oberhaupt der katholischen Kirche. Nach kirchlichem Recht ist der Papst in der Auswahl seiner Kardinäle frei. Die Bedingungen, die künftige Kardinäle zu erfüllen haben, sind in c. 351 §1 des Codex Iuris Canonici (CIC) von 1983 festgehalten: „Sie müssen wenigstens die Priesterweihe empfangen haben, sich in Glaube, Sitte, Frömmigkeit sowie durch Klugheit in Verwaltungsangelegenheiten auszeichnen.“ Hinzu kommt die vorherige Priester- bzw. Bischofsweihe. Bis auf die Kurienkardinäle, die in Rom residieren, sind alle weiteren Kardinäle verpflichtet, immer dann nach Rom zu kommen, wenn der Papst sie ruft. Bei Vollendung des 75. Lebensjahres müssen sie Amtsverzicht anbieten (vgl. c. 354), mit Vollendung des 80. Lebensjahres verlieren sie das aktive Papst-Wahlrecht (vgl. → Universi Dominici Gregis, Papst Johannes Paul II., 1996).

Inwiefern die Ernennungen deutscher Kardinäle in den Jahren 2010 und 2012 in den Hauptnachrichtensendungen von ARD und ZDF thematisiert wurden und welche Rolle das Kirchenrecht – vor allem die genannten rechtlichen Fakten – dabei spielt, zeigt ein kurzer Vergleich.

Aktuelle Zahlen

Im Jahr 2010 kamen acht Kardinäle aus Deutschland. Neben Marx und Brandmüller sind dies Walter Kasper (77), Paul Josef Cordes (76), Friedrich Wetter (82), Joachim Meisner (76), Georg Sterzinsky (74) und Karl Lehmann (74). Nach dem Tod Georg Sterzinskys im Jahr 2011 und den beiden Ernennungen in diesem Jahr gibt es aktuell neun deutsche Kardinäle, sechs von ihnen sind bei der Papstwahl wahlberechtigt. Insgesamt sind zurzeit 125 Kardinäle weltweit bei der Wahl eines neuen Papstes zu beteiligen.

2010: Ernennung von Reinhard Marx und Walter Brandmüller zu Kardinälen

Im Jahr 2010 wurden zwei Deutschen die Kardinalswürde verliehen. Dem Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, und dem bayerischen Kirchenhistoriker Walter Brandmüller. Marx war seit etwa zweieinhalb Jahren Erzbischof von München und Freising, als er zum Kardinal ernannt wurde. Er war zum damaligen Zeitpunkt nach Ernennung 57 Jahre alt und damit der jüngste Kardinal im Kollegium.

Walter Brandmüller war viele Jahre Vorsitzender der Päpstlichen Kommission für Geschichtswissenschaft. Mit seinem Alter von 81 Jahren ist er – anders als Marx – allerdings bei einer künftigen Papstwahl nicht mehr wahlberechtigt. Das Konsistorium, in dessen Rahmen die neuen Kardinäle ernannt wurden, fand am 20. November 2010 statt. Dazu heißt es im CIC unter c. 351 §2: „Die Kardinäle werden kreiert durch Dekret des Papstes, das vor dem Kardinalskollegium verkündet wird, von der Verkündung an haben sie die im Gesetz umschriebenen Pflichten und Rechte.“

Die Berichterstattung 2010

Am 20. Oktober berichten sowohl ARD als auch ZDF von den durch Papst Benedikt XVI. angekündigten Kardinalsernennungen, wobei das ZDF das Thema nur in der Ausgabe von „heute“ aufgreift. Dort lautet die mit dem Titel „Neue deutsche Kardinäle“ überschriebene Kurzmeldung:

„Sechs deutsche Kardinäle gibt es zurzeit, demnächst kommen zwei weitere dazu. Papst Benedikt XVI. will den Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, und den Bamberger Priester Walter Brandmüller in den zweithöchsten Rang nach dem Papst erheben. Marx dürfte mit seinen 57 Jahren noch an einer Papstwahl teilnehmen. Brandmüller ist 81 und hat damit die Altersgrenze überschritten.“

Als kirchenrechtlicher Aspekt wird hier neben dem Hinweis auf die hierarchische Struktur der katholischen Kirche die Papstwahl thematisiert, zu der nur Kardinäle wahlberechtigt sind, die das 80. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.

In den Sendungen „Tagesschau“ und „Tagesthemen“ tragen die Meldungen denselben Titel („Ernennung zu Kardinälen angekündigt“) und lauten nahezu wortgleich:

„Der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, wird zum Kardinal ernannt. Ebenso der aus Bayern stammende Kirchenhistoriker Walter Brandmüller. Dies kündigte Papst Benedikt XVI. heute während einer Generalaudienz auf dem Petersplatz an. Insgesamt will er am 20. November 24 Geistliche in den Kardinalsstand erheben. Kardinäle sind nach dem Papst die höchsten Würdenträger in der katholischen Kirche und wählen das Kirchenoberhaupt.“

Anders als in der „heute“-Meldung geht es hier weniger detailliert um das Wahlrecht der Kardinäle. Lediglich die Tatsache, dass Kardinäle den Papst wählen, wird in einem Halbsatz angesprochen – ebenso die Bedeutung der Kardinalswürde insgesamt.

Etwas ausführlicher fallen die Berichte einen Monat später am Tag des feierlichen Installationsaktes aus. So wird am 20. November in der „heute“-Ausgabe das Kardinalskollegium als „oberstes Beratergremium des Papstes“ bezeichnet und bildstark von der Verleihung des Kardinalsbiretts und der Ernennungsurkunde berichtet. Weitere kirchenrechtliche Bezüge oder gar Erläuterungen fehlen. Der Fokus liegt eindeutig auf dem Neukardinal Marx, dem jüngsten aller Kardinäle. Er kommt im Beitrag zu Wort, ebenso zwei der zahlreichen Pilger aus Bayern, die zu den Feierlichkeiten nach Rom gereist sind. Im „heute-journal“ stellt die Kardinalsernennung lediglich eine Randnotiz dar. Hier mischt sich die Berichterstattung über die Kreierung der Kardinäle zudem mit der Meldung „Papst lockert Kondomverbot“. Diese steht in Zusammenhang mit einem Zitat aus dem damals neu erscheinenden Interview-Buch des Papstes mit dem Titel „Licht der Welt“. Es behandelt vor allem journalistische Reizthemen und hat inhaltlich nichts mit den Kardinalsernennungen zu tun.

In „Tagesschau“ und „Tagesthemen“ fällt die Berichterstattung über die neuen Kardinäle sehr knapp aus. Werden sie in der „Tagesschau“ als „höchste katholische Würdenträger nach dem Papst“ bezeichnet, vernachlässigen die „Tagesthemen“ diesen Faktor. In beiden Meldungen steht dagegen die Überreichung von „Kardinalsbirett und Ernennungsdekret“ im Zentrum. Zudem fügen die „Tagesthemen“ Zahlen an: 203 Kardinäle gebe es insgesamt. „Acht von ihnen sind Deutsche“, so die Meldung.

2012: Ernennung von Rainer Maria Woelki und Karl Josef Becker SJ zu Kardinälen

Zu Beginn dieses Jahres kündigte der Papst an, zwei weitere Deutsche zu Kardinälen zu ernennen. Neben dem Berliner Erzbischof Rainer Maria Woelki wird dem Jesuiten Karl Josef Becker die Kardinalswürde verliehen. Das Konsistorium, die Vollversammlung der Kardinäle für den feierlichen Akt, berief Papst Benedikt XVI. für den 18. Februar ein.

Erst im vergangenen Jahr wurde Woelki Erzbischof von Berlin. Mit seinen 55 Jahren löst er Reinhard Marx als jüngsten Kardinal ab. Der 83-Jährige Karl Josef Becker SJ war viele Jahre Professor für Dogmatik an der Gregoriana, ist Mitarbeiter der Glaubenskongregation und gehört zur Delegation der Glaubenskongregation, die mit der Piusbruderschaft Gespräche über die Wiederannäherung führt. Wie bereits 2010 ist aufgrund der wahlbezogenen Altersregelungen nur einer der neu ernannten deutschen Kardinäle bei einer Papstwahl wahlberechtigt.

Die Berichterstattung 2012

Am 6. Januar 2012 berichten nur drei von vier Sendungen von den anstehenden Kardinalsernennungen. So ist diesbezüglich in der Ausgabe von „heute“ kein Beitrag zu sehen. Das „heute-journal“ bringt nur eine kurze Sprechermeldung mit dem Titel „Papst ernennt neue Kardinäle“:

„Papst Benedikt XVI. hat angekündigt, im Februar 22 Geistliche in den Kardinalsstand zu erheben. Darunter sind auch zwei Deutsche. Der Berliner Erzbischof Rainer Maria Woelki und der Jesuitenpater Karl Josef Becker.“

Lediglich das indirekt angesprochene Recht des Papstes Kardinäle zu ernennen, lässt die Verbindung zum kirchlichen Recht erahnen.

Die „Tagesschau“ bietet den Zuschauern ausführlichere Informationen in einem etwas längeren Beitrag. Es geht vor allem um Erzbischof Rainer Maria Woelki und seinen bisherigen Werdegang. Über Jesuitenpater Becker erfährt der Zuschauer, dass dieser „langjähriger Berater der Glaubenskongregation im Vatikan“ war. Zwar ist von „einem Konsistorium im Februar“ und damit von einem kirchenrechtlichen Begriff die Rede (vgl. c. 353). Weitere Informationen oder gar Erklärungen fehlen jedoch. So weist der Beitrag zwar durch den Fachterminus direkten Bezug zur kirchenrechtlichen Materie auf, diese wird jedoch nicht weiter entfaltet.

Die „Tagesthemen“ beschränken sich – genau wie das „heute-journal“ – auf eine Darstellung der Fakten in einer Kurzmeldung, die denselben Titel trägt wie die Sprechermeldung des „heute-journal“ („Papst ernennt neue Kardinäle“):

„Papst Benedikt XVI. hat 22 neue Kardinäle, unter ihnen zwei Deutsche, benannt. Wie der Papst heute in Rom bekannt gab, sind dies der Berliner Erzbischof Rainer Maria Woelki und der Jesuitenpater Karl Josef Becker. Damit steigt die Zahl der deutschen Würdenträger auf dann neun von insgesamt 214 Kardinälen. Die Zeremonie zur Ernennung ist für den 18./19. Februar geplant.“

Zwei rechtliche Bezüge, wenn auch etwas versteckt, sind in dieser Meldung feststellbar: Zum einen die Tatsache, dass der Papst laut c. 351 Männer auswählt, „die zu Kardinälen erhoben werden sollen“, zum anderen der Hinweis auf eine „Zeremonie zur Ernennung“, die auf die Benennung folgen muss.

Fazit

Genau wie 2010 berichteten in diesem Jahr drei von vier Hauptausgaben der Nachrichtensendungen in ARD und ZDF von den neuen deutschen Kardinälen. In allen hier untersuchten Beiträgen sind zumindest punktuell kirchenrechtliche Aspekte zu finden: Das Wahlrecht der Kardinäle, wahlbezogene Altersgrenzen und wahlrechtliche Pflichten und Rechte sowie ihr Status innerhalb der hierarchischen Struktur der katholischen Kirche. In den „Tagesthemen“ wird das Konsistorium explizit genannt. Auf die weitere Erläuterung kirchenrechtlicher Vorgänge und Begriffe wird in der Berichterstattung verzichtet.

Dipl.-Theol. Christian Wode

Dokumentation einer explorativen Annäherung an den Forschungsgegenstand

Donnerstag, Juli 28th, 2011

In den öffentlichen Debatten findet stetig eine Auseinandersetzung mit kirchenpolitischen Themen statt. Fragen der kirchlichen Lehre und Ordnung werden nicht ausschließlich binnenkirchlich zwischen den Mitgliedern der Glaubensgemeinschaft, sondern in massenmedial vermittelten Diskursen verhandelt. Insoweit die Sphären von Politik und Recht eng miteinander verknüpft sind, findet sich im Kern kirchenpolitischer Diskussionen zumeist ein kirchenrechtlicher Gehalt. Nicht immer tritt dieser so deutlich zu Tage wie in jüngster Zeit in der Berichterstattung über die Missbrauchfälle im kirchlichen Kontext, in der unter anderem Aspekte des kirchlichen Strafrechts und Strafverfahrensrechts hervorgehoben wurden und mediale Aufmerksamkeit erfuhren. Auch in den Fällen, in denen dies nicht explizit erwähnt wird, liegt häufig eine Berührung mit kirchenrechtlichen Fragestellungen vor. Dieser – bisweilen verborgenen – Verbindung wird im Rahmen des Forschungsprojekts „Kirchenrecht in den Medien“ nachgegangen, das von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Instituts für Kanonisches Recht (IKR) der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster und des Lehrstuhls für Kirchenrecht an der Ruhr-Universität Bochum mit Förderung durch die Fritz Thyssen Stiftung durchgeführt wird. Im Rahmen einer Analyse der medial vermittelten Diskurse wird dargelegt, in welchem Umfang das Recht der Kirche in den öffentlichen Diskurs über Kirche einfließt, welche Rolle ihm darin zugewiesen wird, mit welchen Akteurinnen und Akteuren es in Verbindung gebracht wird.

Der kirchenrechtliche Gehalt in der täglichen Medienberichterstattung

Dieser Nachweis erfolgt exemplarisch: es wurden zentrale Leitmedien identifiziert, um die in ihrem Rahmen geführten Debatten auf einen kirchenrechtlichen Gehalt hin zu untersuchen. Zu diesem Zweck ausgewählt wurden die im Zeitraum des Jahres 2010 ausgestrahlten zentralen Fernsehsendungen mit aktueller tagespolitischer Berichterstattung in ARD und ZDF (Hauptausgabe der Tagesschau, 20.00 Uhr, Tagesthemen, 22.15 bzw. 23.00 bzw. 23.15 Uhr; Hauptausgabe heute, 19.00 Uhr, und heute-journal, 21.45 Uhr), die einem großen Teil der Bevölkerung als Informationsquelle dienen. In einer Dokumentenstudie werden die in den aufgezeichneten Nachrichtensendungen vorliegenden kirchenpolitischen und kirchenrechtlichen Inhalte dokumentiert. Seit 01. März 2011, dem offiziellen Beginn der Projektarbeiten, wird untersucht, welche Themen mit Bezug zu Kirche und ihrem Recht angesprochen werden, wie die Inhalte aufbereitet werden, in welcher Weise die Darstellung erfolgt. Es müssen die Akteurinnen und Akteure bestimmt werden, die mit dem Kirchenrecht in Verbindung gebracht werden. Wer tritt in der Berichterstattung als Expertin bzw. Experte für das Recht der Kirche auf? Welche Rollen werden Rechtsexpertinnen und -experten im Rahmen der Berichterstattung zugewiesen? Treten sie kommentierend oder komplexe rechtliche Sachverhalte explizierend auf, sind sie als Kritikerinnen und Kritiker einer kirchlichen Praxis gefragt oder verteidigen sie gar unpopuläre kirchenamtliche Entscheidungen vor dem Hintergrund bestimmter rechtlicher Vorgaben? Besondere Bedeutung werden im Rahmen der Untersuchung den Bewertungen zugemessen, die in den Berichterstattungen vorgenommen werden. Interessant wird es sein, neben der Querschnittsmaterie die Bedeutung, die dem Recht der Kirche zugewiesen wird, an einzelnen Topoi zu verfolgen, also z. B. an dem der Berichte im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal. An welchen Stellen und mit welcher Bedeutung erscheint Kirchenrecht in der Berichterstattung über die Missbräuche im kirchlichen Kontext? Ändert sich im Verlauf des Jahres 2010 die Funktionszuweisung, die mit dem Kirchenrecht in Verbindung gebracht wird, oder bleibt die Rolle des Rechts konstant?

Durch die Untersuchung dieser und verwandter Fragen lässt sich aufweisen, wie verschiedene kirchenpolitische und kirchenrechtliche Sachverhalte aufgefasst, in der medialen Öffentlichkeit beurteilt werden und so die öffentliche Meinung formen. Damit Interessierte bereits im Verlauf der Untersuchung über die Möglichkeit verfügen, sich über den Fortschritt und die Erkenntnisse der Studie zu informieren, werden aktuelle Hinweise auf der Homepage www.kirchenrecht-in-den-medien.de publiziert.