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Dokumentation einer explorativen Annäherung an den Forschungsgegenstand

In den öffentlichen Debatten findet stetig eine Auseinandersetzung mit kirchenpolitischen Themen statt. Fragen der kirchlichen Lehre und Ordnung werden nicht ausschließlich binnenkirchlich zwischen den Mitgliedern der Glaubensgemeinschaft, sondern in massenmedial vermittelten Diskursen verhandelt. Insoweit die Sphären von Politik und Recht eng miteinander verknüpft sind, findet sich im Kern kirchenpolitischer Diskussionen zumeist ein kirchenrechtlicher Gehalt. Nicht immer tritt dieser so deutlich zu Tage wie in jüngster Zeit in der Berichterstattung über die Missbrauchfälle im kirchlichen Kontext, in der unter anderem Aspekte des kirchlichen Strafrechts und Strafverfahrensrechts hervorgehoben wurden und mediale Aufmerksamkeit erfuhren. Auch in den Fällen, in denen dies nicht explizit erwähnt wird, liegt häufig eine Berührung mit kirchenrechtlichen Fragestellungen vor. Dieser – bisweilen verborgenen – Verbindung wird im Rahmen des Forschungsprojekts „Kirchenrecht in den Medien“ nachgegangen, das von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Instituts für Kanonisches Recht (IKR) der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster und des Lehrstuhls für Kirchenrecht an der Ruhr-Universität Bochum mit Förderung durch die Fritz Thyssen Stiftung durchgeführt wird. Im Rahmen einer Analyse der medial vermittelten Diskurse wird dargelegt, in welchem Umfang das Recht der Kirche in den öffentlichen Diskurs über Kirche einfließt, welche Rolle ihm darin zugewiesen wird, mit welchen Akteurinnen und Akteuren es in Verbindung gebracht wird.

Der kirchenrechtliche Gehalt in der täglichen Medienberichterstattung

Dieser Nachweis erfolgt exemplarisch: es wurden zentrale Leitmedien identifiziert, um die in ihrem Rahmen geführten Debatten auf einen kirchenrechtlichen Gehalt hin zu untersuchen. Zu diesem Zweck ausgewählt wurden die im Zeitraum des Jahres 2010 ausgestrahlten zentralen Fernsehsendungen mit aktueller tagespolitischer Berichterstattung in ARD und ZDF (Hauptausgabe der Tagesschau, 20.00 Uhr, Tagesthemen, 22.15 bzw. 23.00 bzw. 23.15 Uhr; Hauptausgabe heute, 19.00 Uhr, und heute-journal, 21.45 Uhr), die einem großen Teil der Bevölkerung als Informationsquelle dienen. In einer Dokumentenstudie werden die in den aufgezeichneten Nachrichtensendungen vorliegenden kirchenpolitischen und kirchenrechtlichen Inhalte dokumentiert. Seit 01. März 2011, dem offiziellen Beginn der Projektarbeiten, wird untersucht, welche Themen mit Bezug zu Kirche und ihrem Recht angesprochen werden, wie die Inhalte aufbereitet werden, in welcher Weise die Darstellung erfolgt. Es müssen die Akteurinnen und Akteure bestimmt werden, die mit dem Kirchenrecht in Verbindung gebracht werden. Wer tritt in der Berichterstattung als Expertin bzw. Experte für das Recht der Kirche auf? Welche Rollen werden Rechtsexpertinnen und -experten im Rahmen der Berichterstattung zugewiesen? Treten sie kommentierend oder komplexe rechtliche Sachverhalte explizierend auf, sind sie als Kritikerinnen und Kritiker einer kirchlichen Praxis gefragt oder verteidigen sie gar unpopuläre kirchenamtliche Entscheidungen vor dem Hintergrund bestimmter rechtlicher Vorgaben? Besondere Bedeutung werden im Rahmen der Untersuchung den Bewertungen zugemessen, die in den Berichterstattungen vorgenommen werden. Interessant wird es sein, neben der Querschnittsmaterie die Bedeutung, die dem Recht der Kirche zugewiesen wird, an einzelnen Topoi zu verfolgen, also z. B. an dem der Berichte im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal. An welchen Stellen und mit welcher Bedeutung erscheint Kirchenrecht in der Berichterstattung über die Missbräuche im kirchlichen Kontext? Ändert sich im Verlauf des Jahres 2010 die Funktionszuweisung, die mit dem Kirchenrecht in Verbindung gebracht wird, oder bleibt die Rolle des Rechts konstant?

Durch die Untersuchung dieser und verwandter Fragen lässt sich aufweisen, wie verschiedene kirchenpolitische und kirchenrechtliche Sachverhalte aufgefasst, in der medialen Öffentlichkeit beurteilt werden und so die öffentliche Meinung formen. Damit Interessierte bereits im Verlauf der Untersuchung über die Möglichkeit verfügen, sich über den Fortschritt und die Erkenntnisse der Studie zu informieren, werden aktuelle Hinweise auf der Homepage www.kirchenrecht-in-den-medien.de publiziert.

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By | 28. Jul 2011 | Allgemein | Kommentare deaktiviert für Dokumentation einer explorativen Annäherung an den Forschungsgegenstand